Sonntag, 16. Juli 2017

Das Geheimnis der Psyche



von Leon Windscheid

Audio CD; Verlag: Random House Audio; gekürzte Lesung; Gesamtspielzeit: 4 Stunden 41 Minuten; Deutsch; ISBN: 978-3-8371-3841-2


Guter Schlaf kann so schön sein wie Sex
Nach knapp 5 Stunden „Hörerlebnis“ wage ich nicht mehr zu unterscheiden, ob mir das Eine oder das Andere lieber wäre. Ich weiß jetzt allerdings sehr genau, dass ich mir die Geheimnisse der menschlichen Psyche nie wieder als Hörbuch antun werde.
Sehr kurzweilig beschreibt Windscheid seine Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Weg zur Million bei Günther Jauch. Meine Psyche klopft an und fragt mich: Wer beeinflusst hier wen und warum? Ist es ein Scherz aus der Marketing-Abteilung, dass sich der Hinweis auf Günther Jauch und den Millionengewinn auf dem Cover ausbreitet.  Falle ich da gerade auf einen Werbetrick herein? Die Parallelen zwischen Jauch-Werbung und dem Clooney-Kaffeekapsel-Effekt sind nicht zu übersehen. Aber was soll’s. Es geht schließlich um Verhaltens- und Denkweisen … und somit sind wir mitten im Thema. 
Eines muss man dem Autor Leon Windscheid lassen, er zeigt dem Hörer/Leser manch humorvollen Einblick in die Irrungen und Wirrungen seiner Psyche und verknüpft wissenschaftliche Studien mit Alltagssituationen. Ich habe mich schon viel mit menschlichen Verhaltensweisen beschäftigt und immer wieder gefragt: warum wir uns so oder so und wie verhalten. Einen kleinen Aufschluss kann man in den teils witzigen Ausführungen des Autors finden. Für einen Laien kann es einen unterhaltsamen Einblick in die Thematik öffnen. Dabei stelle ich mir aber gleich die Frage, ob so ein pointierter Einblick  für Laien hilfreich sein kann.
Sicher schmunzelt jeder darüber, wenn er/sie sich selbst teilweise in den Erzählungen wieder findet (wir sind schließlich alle Menschen). Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es sich hier natürlich nicht um Fachlektüre handelt, sondern sich eher an „Nichtpsychologen“ richtet, die ständig auf der Suche nach neuen spannenden Denkansätzen sind. Wie sagt der Autor: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“.
Warum ich mir das nicht noch einmal als Hörbuch antue? Ich habe das Gefühl, dass die Stimme des Autors zwar locker und lax herüber kommen soll, für mich allerdings die witzigen Sätze gequält bis gezwungen und in einem unangenehmen Tempo in Stress ausarten. Manchmal kommt es mir vor, als muss er sich beeilen, sonst passt nicht alles in das Zeitfenster einer CD. Der Vorteil eines Buches liegt hier auf der Hand: Ich kann Pausen machen, um einen Satz vielleicht noch ein- oder zweimal zu lesen und den Inhalt auf mich wirken lassen. Die „Pause Taste“ wäre hier keine Alternative zum besseren Verständnis!
Mein Fazit:
Um im Marketingklischee zu bleiben: Was es nicht alles gibt, was ich nicht brauche! Als Buch sicher empfehlenswert – als Hörbuch nie wieder.

Danke an den Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Amt für Mutmaßungen



Roman von Jenny Offill
176 Seiten
Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN-13: 978-3421046222
Preis: Taschenbuch 9 €



Angeregt vom Klappentext und von der Bewertung:

Zitat: „Ein tiefes und dabei leichtes Buch, das man atemlos liest.“ Brigitte und
„Ein kleines Fest, dieses Buch zu lesen.“ Christine Westermann

habe ich mich leiten lassen, dieses Buch zu lesen. Der Titel ist recht ungewöhnlich, wird aber im Laufe der Geschichte  nachvollziehbar. Es ist mir schwer gefallen, das Lesen bis zum Ende durchzuhalten. Mehr als einmal wollte ich es beiseite legen. Es ist ungewöhnlich geschrieben, teils sehr poetisch und dann gespickt mit Zitaten, die für mich leider nur bedingt zum Inhalt passen. Die Handlung scheint mir undurchsichtig, manchmal wirr. Mag sein, dass der Schreibstil von Jenny Offill gefällt, aber so ein Stil ist einfach nicht meins. Schade. Deshalb gebe ich auch nur zwei Punkte.

Ich danke dem Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.


Freitag, 14. Juli 2017

Wenn du vergisst



Roman von Lisa Ballantyne


Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: btb Verlag
ISBN-13: 978-3442715251
Preis: 9,99 €



Die Handlung spielt eigentlich in der Gegenwart, wird aber immer wieder durch sehr lange Schilderungen der Geschehnisse aus dem Jahr 1985 unterbrochen. Durch den Unfall der Protagonistin Margaret im Jahr 2013 werden Erinnerungen, Gefühle und Emotionen wachgerüttelt, welche tief in ihrer Seele verborgen waren.
Und diese Begebenheiten werden von der Autorin sehr gefühlvoll und emotional erzählt, dass man beim Lesen manchmal Gänsehaut bekommt.

Bis zum Ende des ersten Drittels hat man noch keine Ahnung davon, wie die Geschehnisse im Zusammenhang stehen könnten. Später ahnt man es, wird aber doch in Spannung gehalten. Am besten hat mir die Person George gefallen. Er ist für mich fast die Hauptperson in dem Buch, weil mich seine Geschichte fast noch mehr berührt hat als die von Margaret. Seine Geschichte zeigt, dass trotz der schrecklichen Erfahrungen in der Kindheit, trotz der Schläge vom Vater, die Züchtigungen der Nonnen in der Schule und eine eigene sehr schreckliche Tat doch nicht das Gute in seinem Inneren zerstören konnte. Der Journalist Angus, eine sehr undurchsichtige Figur im Geschehen. Er ist ein äußerst gottgläubiger und gottesfürchtiger Mensch, der jedoch Frau und Kinder züchtigt weil er meint, so wäre „Erziehung“ gottgewollt.
Das Buch gibt während der eigentlichen Handlung tiefe Einblicke in verschiedene Charaktere von Menschen, die mit klaren Worten, aber auch mit viel „zwischen den Zeilen“ beschrieben sind. Manches bleibt erstaunlich offen und ungeklärt. Aber trotzdem hat mir das Buch gefallen, auch der Schluss.

Ich gebe dem Buch 4 Sterne.
Ich danke dem Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.




Freitag, 7. Juli 2017

SUMMERTIME - Die Farbe des Sturms



Roman von Vanessa Lafaye

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Limes Verlag
ISBN-13: 978-3809026532
Preis 19,99 €


Der Klappentext und das Cover lässt einen üblichen Liebesroman nach gängigem Klischee vermuten. Aber er ist es nicht. Die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten Missy und Henry sind fast nur eine Randerscheinung, die aber doch die gesamte Geschichte trägt. Es ist eine fiktive Erzählung, die jedoch geschichtliche Hintergründe hat. Eine Geschichte von Menschen, von schwarzen und weißen, von den Unterschieden, nicht nur in ihrer Hautfarbe. Eine Geschichte darüber, dass bei einer Naturkatastrophe alle Menschen gleich sind, egal welche Hautfarbe sie haben. Und dass die Natur keinen Halt macht vor arm oder reich, vor jung oder alt.
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er ist flüssig und locker. Zum Anfang hatte ich Probleme, die vielen Namen immer wieder zuzuordnen.
Das Buch lies sich sehr leicht lesen, obwohl stets eine gewisse Spannung herrschte. Bis zum Schluss kann der Leser nicht erahnen, wie die Geschichte endet. Das hat mir sehr gefallen.

Eine willkommene Urlaubslektüre, lesenswert!

Ich danke dem Bloggerportal und dem Limes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 4. Juli 2017

Ich muss nicht alles glauben, was ich denke

Das Grübeln beenden, gelassener leben - Serge Marquis

Taschenbuch: 144 Seiten
Kösel-Verlag
ISBN: 978-3466346493
Preis: 14,99 €


„Was täte ich nur, wenn ich keine Angst mehr hätte?“ oder „Nicht ich bin das Problem, sondern mein rennender Hamster.“
Beim Titel dieses Buches fallen mir spontan die Worte ein: Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre, was ich sage. Und schon bin ich mitten im Thema. Auf dem Klappentext steht, dass uns täglich ca. 80.000 Gedanken durch den Kopf gehen. Diesen Satz würde ich sofort unterschreiben. Denn unser kleiner Diktator namens EGO oder „Grüblerich“ (wie ihn der Autor nennt) sorgt ständig für Unruhe in unserem Kopf.
Es liegt aber an uns, wie wir diese Gedanken bewerten: Serge Marquis möchte in diesem Buch dazu einladen, mit einfachen Mitteln dem Gedankenzwang auf die Schliche zu kommen.
In 13 Kapitel zerpflückt der Autor den Hamster in seinem Rad und gibt immer wieder die Empfehlung, dass man durch das eigene Zurücknehmen besser bzw. leichter durchs Leben kommt. Das ist allerdings nicht immer so leicht. Manchmal hilft einfaches Durchatmen und als Steigerung Meditation, um das Kopfkino zu beeinflussen. Im Buch finden sich dazu zahlreiche Übungen und besonders gut gefallen mir die treffenden Aphorismen, mit denen jedes Kapitel beginnt. So z.B. Kapitel 13 „Im Augenblick leben“ – was heißt das eigentlich? … „Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“ von Albert Einstein.
Das Buch eignet sich nicht nur für Grübler, die sich über belanglose Kleinigkeiten unbeschreiblich aufregen können, um dann die viel besprochene Goldwaage zu bemühen. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch für manchen Psychotherapeuten genügend Stoff für Verhaltenstherapien parat hält.
Nicht nur ein Ratgeber, wie man das Gedankenkarussell anhalten kann, sondern eine Lektüre, die für mich bereits beim Lesen gedankliche Entspannung auslöste. Manch amüsante Ausführung, wie z.B. im Kapitel „Sex, Sex und nochmals Sex“ sorgten für den entsprechenden Unterhaltungseffekt.
Ich bedanke mich beim Verlag und beim Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.



Montag, 3. Juli 2017

Die Honigfabrik: Die Wunderwelt der Bienen - eine Betriebsbesichtigung



von Jürgen Tautz und Dietrich Steen

272 Seiten
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
ISBN-13: 978-3579086699
Preis: 19,99 €



Ein Buch über einen Staat, bei dem noch alles in Ordnung ist

Ich bin die Frau eines Hobbyimkers. Bisher beschränkte sich mein „Einsatz“ in der Honigfabrik meines Ehegatten nur auf kleinere Handlangertätigkeiten und auf die Verwertung und Vermarktung des Produkts seiner vielen „Angestellten“. Aus diesem Grund waren mir auch die Abläufe in so einem Bienenstaat nur vom Erzählen bekannt. Interessiert hat es mich(bitte nicht weitersagen!) auch nur bedingt, weil ich eben für anderes zuständig war. Und doch habe ich mich getraut, das Buch zu lesen und- ich wurde nicht enttäuscht. Es ist von den beiden Autoren in solch verständlicher, ja teils amüsanter Weise geschrieben, dass man es nicht aus den Händen legen mag. Im Wechsel beschreibt ein Autor aus der Sicht des Hobbyimkers recht spaßig die Abläufe im Bienenvolk rund um das Jahr. Besonders gekennzeichnet dann die Erklärung des Wissenschaftlers, aber  - keine Bange- es erwartet den Leser keinesfalls wissenschaftlich Unverständliches. Im Gegenteil, so plausibel ist alles erklärt, dass sogar ich es verstanden habe.
Das Buch ist aber keineswegs eine Imkerschule, mit der man die Bienenhaltung erlernen kann. Eher ist es eine Anregung, darüber nachzudenken, wie es so läuft im Bienenstaat.

Sonst zitiere ich keine Inhaltsverzeichnisse, aber diesmal muss es sein, weil es einfach neugierig auf den Inhalt macht.

-        Frauenpower im Bienenvolk- von dicken Mädchen, Geschwisterliebe und wütenden Amazonen
-        Callboys für die Königin- die Drohnen
-        Zickenterror mit Todesfolge
-        Wunderpudding für die Königin
-        Routenplaner im Blütenmeer
-        Rudelkuscheln in der Kiste…

Mein Fazit: ich weiß jetzt so viel mehr über das, was in einer „Honigfabrik“ abläuft. Wie alles organisiert ist, wer wofür zuständig ist. Nun kann ich meinen Ehegatten noch mehr verstehen, wenn er an einem schönen Tag im Schatten neben seinen Bienenbeuten sitzt und einfach nur seine Bienen beobachtet, wie sie ausfliegen, wie sie bepackt zurückkommen, wie sie auf dem Flugbrett ihre Tänze vollführen. Und wie er das Summen und den Honigduft geniest.

Wenn ich könnte, würde ich dem Buch 6 Punkte geben.

Ich bedanke mich beim Verlag und beim Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Dies ist mein Leben: So befreien Sie sich vom Einfluss manipulativer Eltern



von Isabelle Nazare-Aga (Autor), Felix Mayer (Übersetzer)


Taschenbuch: 336 Seiten
Kösel-Verlag
ISBN: 978-3466346608

Preis: 19,99 €


Von „Bannbotschaften“ und dem „Phänomen des unabhängigen Geistes“

Schon der Titel des Buches hatte eine Signalwirkung auf mich. Die Tricks und scheinheiligen Lügen einer manipulierenden Mutter, um ihre eigenen Vorteile umzusetzen, sind mir nicht unbekannt. Warum man narzisstische Persönlichkeiten als Manipulierer nicht sofort erkennt, beschreibt die Autorin ausführlich im vorliegenden Buch. Auch für mich war es ein langer (manchmal sehr beschwerlicher) Weg, den ich wohl nicht ohne Hilfe bewältig hätte. So finden sich im Buch viele Fallbeispiele und Berichte Betroffener, in denen sich eigene Erfahrungen wiederfinden und manchen sogenannten AHA-Effekt auslösen können.

Typische charakteristische Verhaltensweisen, wie man manipulative Persönlichkeiten entlarven und sich von zerstörerischen Verstrickungen befreien kann, zeigt die Autorin auf. Um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können (für mich, ich kann hier nur aus meinen Erfahrungen sprechen) bedarf es allerdings großem Eigeneinsatz und Selbsterkenntnis. Mutter-Tochter-Beziehungen sind ohnehin ein Thema für sich, wenn aber eine narzisstische Mutter ihre Tochter in die verschiedenste Rollen manipuliert, nimmt das Ganze Dimensionen an, die das Kind bis ins Erwachsenenleben nicht nur stark beeinträchtigt, sondern dafür sorgt, das sich tiefergehende Probleme in Gefühls- und Verhaltensmustern festsetzen.

Doch es gibt Auswege. Nachdem die Autorin alle Facetten der Persönlichkeitsstrukturen manipulativer Eltern beleuchtet hat, fasst sie die Auswirkungen auf manipulierte Menschen in 20 Punkten zusammen und gibt Anregungen, wie man sich aus diesen verflixten Verstrickungen befreien kann. Wenn auch die ersten 275 Seiten für mich teils sehr schmerzhaft und anstrengend zu lesen waren, wird es ab dem Kapitel „Gibt es Auswege?“ leichter.



Das Buch ist keine „leichte“ Kost, ich möchte es denjenigen empfehlen, die sich bereits mit dieser Thematik beschäftigt haben, denn m.E. ist es kein reiner „Selbsthilfe-Ratgeber“.
Ich gebe dem Buch 4 Sterne .



Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.








Sonntag, 25. Juni 2017

Die neue Psychologie des Alterns




Hans-Werner Wahl
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten; Verlag: Kösel-Verlag; ISBN: 978-3466346370
Preis: 19,99 €


Neugierig platziert sich eine kleine Schildkröte auf dem Cover über dem Untertitel „Überraschende Erkenntnisse über unsere längste Lebensphase“.
Ehrlich … schon dieses Bild und die Verbindung zur Psychologie hat mich neugierig gemacht. Auch wenn ich nicht zu dieser Altersgruppe zählen würde – dieses Buch beschäftigt sich mit einer Thematik die uns alle betrifft. Ausnahmslos (vorausgesetzt kein Unfall oder Krankheit beendet das Leben in jungen Jahren) haben wir alle dieses Ziel: Altwerden. 
Der Autor, Hans-Werner Wahl, trägt mit einer lebendigen, Interesse weckenden Schreibweise - mit interessanten Fragen und Betrachtungsweisen - dazu bei, dass ich sofort in das Thema eintauchen konnte. Da ich selbst die Kriterien der beschriebenen Altersgruppe erfülle, fiel es mir leicht, dem roten Faden zu folgen und auch eigene Gedanken weiter zu führen. Die Kernfrage: Die neue Psychologie des Altern, was will sie und was kann sie, wird ausführlich besprochen. Die „Neue Alternspsychologie“ (NAPs) konzentriert sich primär auf alternsbezogene Veränderungen. Die neun wichtigsten Prinzipien der NAPs werden vorgestellt. Wir kennen alle den Satz: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Der Autor behauptet auch: ... wir sind unseres Alterns Schmied. Da ist doch Etwas dran, denn nach einer zentralen Erkenntnis der NAPs verfügen ältere Menschen über eine regelrechte „Toolbox“, wie sie ihr Wohlbefinden aufrechterhalten und sich gegenüber Widrigkeiten des Älterwerdens wappnen können. Wir haben es also (bis zu einem bestimmten Punkt) auch selbst in der Hand, relativ beruhigt in unseren vierten oder fünften Lebensabschnitt – belegbar die längste Lebensphase – zu gehen. Ältere fühlen sich heute meist deutlich jünger und können sich erstaunlich gut anpassen und altersbedingte Einschränkungen bewältigen. Sie fühlen sich wohl und sind zufrieden.
Die Bedeutung des Alterns und wie das früher war, gehört ebenso zum Thema, wie das Älterwerden in den kommenden 20/30 Jahren sich erneut verändern wird.
Am Ende jedes Kapitels sorgt ein Resümee für einen schnellen Überblick und Zusammenfassung.
„Kein Ende in Sicht: Altern im Übergang zu Neuem und noch weithin Unbekanntem“ als Schlusskapitel macht mich wiederum neugierig auf alles was noch kommt.
Auf jeden Fall fühle ich mich nach dem Lesen dieses Buches zehn Jahre jünger.

Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.



Freitag, 23. Juni 2017

Einsam, na und?: Von der Entdeckung eines Lebensgefühls




Maximilian Dorner

Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: btb Verlag
ISBN: 978-3442715350
Preis:10 Euro



Auf der Covervorderseite lese ich: „Von der Entdeckung eines Lebensgefühls“. Auf der Rückseite: „Die Ehrenrettung eines unterschätzten Lebensgefühls“. Auf den 240 Seiten dazwischen findet sich eine Vielzahl der Facette der Einsamkeit beschrieben.

Vorab: Es handelt sich nicht um ein Ratgeberbuch mit mehr oder weniger guten Ratschlägen, wie man sie loswird, die Einsamkeit. Die Frage ist viel eher, ob „meine“ Einsamkeit negativ besetzt ist, weil mit einem Mangel verbunden, oder ob ich damit positive Aspekte in Zusammenhang bringe, weil ich meine Gedanken ordne und Kreativität entwickeln kann.

Ist nicht jeder mal alleine und fühlt sich mal einsam? Das heißt aber noch lange nicht, dass da ein Zusammenhang besteht. Allein und einsam bezeichnen ganz unterschiedliche Dinge: Alleinsein ist ein Zustand (ich sitze hier und schreibe alleine diese Zeilen ohne mich dabei einsam zu fühlen). Einsam wär ich hingegen, wenn mir ein Gefühl mein innerstes Befinden deutlich macht.

Für den Autor, Maximilian Dorner, der durch eine Nervenkrankheit auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist Einsamkeit ein Gefühl, welches zum Leben vieler Menschen gehört. Durch das Schreiben dieses Buches hat sich in seinem Leben viel geändert. Die Frage: Wie einsam bin ich eigentlich? erschreckt und tut gleichzeitig gut. Vielleicht sollte sich jeder Mensch einmal damit auseinandersetzen, um die Angst vor „seiner“ Einsamkeit zu überwinden.

In 24 Kapiteln beschreibt der Autor auf ehrliche, mitunter amüsante (und sehr anregende) Art verschiedene Variationen der Einsamkeit in unserem Alltag. Neben seinen eigenen Beobachtungen, seinen eigenen Experimenten, von der Meditationsgruppe bis zur Telefonseelsorge, der eigenen Einsamkeit und der Anderen, erwähnt er Obdachlose und Selbstmörder, Veteranen, alleinerziehende Mütter, Außenseiter, und, und, und … beschreibt er die Erscheinungsformen der Einsamkeit. In Trauer und Verzweiflung, in Wut, Angst und Scham, in Langeweile, Selbstmitleid und fehlendem Selbstbewusstsein, in Räumen, im eigenen Bett, im Krankenhaus, im Auto, aber auch bei der Arbeit, in der Freizeit, beim Essen und Kaufen, im Internet, im Sex, in der Liebe und bei „Gottnahen“.

Ich habe die Lektüre auf meine Art „genossen“, da ich mich selbst schon intensiv mit dieser Thematik beschäftigt habe. Obwohl ich zur Einsamkeit in Krankenhäusern eine andere Meinung habe. Und sicher wird sich mancher Leser auch fragen: Gibt es heutzutage „diese Einsamkeit“ überhaupt noch? Kann sich doch in Windeseile jeder mit jedem im Internet vernetzen, um hemmungslos den „größten Müll“ zu verbreiten. Ich meine, dass durch die Möglichkeiten der allgegenwärtigen Vernetzung in dieser digitalen Epoche die Menschen sich nicht näher kommen, sondern die Einsamkeit größer wird. Man kann geteilter Meinung darüber sein, aber wie schon meine Oma sagte: Es hat alles seine zwei Seiten.
In diesem Sinne muss ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat, mir wieder Anstöße zum Nachdenken bescherte, aber jetzt ist es auch wieder gut zum Thema Einsamkeit!
Am ENDE – Nachtrag: der letzte Satz gefällt mir ausgesprochen gut: „… Damit nun aber seine Mozart liebende Katze nicht den ganzen Tag alleine ist, hat er sich eine zweite angeschafft.“

Ich bedanke mich beim btb Verlag und beim Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.




Die Frauen von Salem



Roman von Brunonia Barry

Verlag: btb
608 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
ISBN-13: 978-3442714360


Salem, Neuengland: drei tote Frauen, ein kleines Mädchen als Augenzeugin und eine bekannte Historikerin unter Mordverdacht – ein Fall, der nie ganz gelöst werden konnte. Auf den Tag genau fünfundzwanzig Jahre nach dieser unheilvollen Nacht, an Halloween 2014, wird wieder ein Mord verübt. Erneut wird Rose Whelan, die Historikerin, verdächtigt, der man damals jedoch nichts nachweisen konnte. John Rafferty, Polizeichef in Salem, untersucht den aktuellen Fall und rollt im Zuge der Ermittlungen auch diesen berühmtesten Cold Case der Stadt wieder auf. Callie Cahill, das Mädchen, das damals verschont wurde und später Salem verließ, erfährt aus dem Fernsehen von dem Mord – und kommt zurück in ihre Heimatstadt, denn sie muss beweisen, dass Rose nicht die Täterin sein kann. Rose, die Frau, bei der sie aufwuchs, die ihr einst so nahe stand. Sie kann es einfach nicht gewesen sein – weder damals noch heute. Oder etwa doch?

Das 600 seitige Buch ist eine Mischung aus Roman und Krimi. In dem Buch gibt es einen ständigen Wechsel zwischen Spannung und Undurchsichtigkeit, zwischen Wichtigem und Seitenfüllern. Erst zum Schluss eine unerwartete Lösung, wie bei vielen guten Büchern.
Wenn ich ehrlich bin, hat es mich einiges an Durchhaltevermögen gekostet, bis zum Ende dieses dicken Buches durchzuhalten. Es gab zwischendurch Passagen, die ich eigentlich überblättern wollte, aber Bedenken hatte, mir würde dann ein Stück an Information fehlen. Zum Glück bin ich in der Lage, dann auch mal „diagonal“ zu lesen, damit ich nicht ganz die Lust verliere. Alles in Allem ist es doch ein spannendes Buch, könnte aber aus meiner Sicht gut und gerne auf 200 Seiten weniger komprimiert werden.

Danke an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Schöner Nähen mit Profitechniken



von Naoko Doumeki und Shihoko Makino


128 Seiten
Verlag: Stiebner
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3830709718
Preis: 24,99 €


Ein brandneues Buch aus dem Stiebnerverlag. Wenn das Buch auch mit den üblichen Grundlagenkenntnissen für das Nähen beginnt, ist es doch ein etwas anderes Nähbuch. Wie der Titel schon sagt, geht es hier um Profitechniken. Man kann hier das lesen, was in keinem „normalen“ Nähbuch oder einer Nähanleitung steht, die man sich mit einem Schnitt zusammen kauft. Nämlich viele Tricks und Kniffe, die von echten Fachleuten auf diesem Gebiet täglich angewendet werden, um maximale Nähergebnisse zu erreichen. Nach einem bebilderten Inhaltsverzeichnis (was ich schon angenehm finde) werden im Inhalt dann wiederum mit unglaublich vielen, aussagekräftigen Fotos und Beschreibungen die o.g. Tricks erklärt. Für mich, als visueller Typ klar nachzuvollziehen. Es ist ein Buch sowohl für Nähneulinge, aber auch ich als erfahrene Näherin kannte das eine oder andere noch nicht. Ich möchte hier jetzt in keiner Weise das Inhaltsverzeichnis wiedergeben- aber eines steht fest, das Buch mit seiner Fülle an Informationen kann ich empfehlen.
Nur ein Beispiel am Rande- das Anfertigen von unterschiedlichen Kragen. Ich habe mich immer gewundert, warum meine Kragen nie so schön liegen wie die von gekauften Blusen. Nun habe ich den Trick kennen gelernt. Man muss die beiden Kragenteile…
Doch lesen Sie selbst- es lohnt sich.
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Montag, 19. Juni 2017

Der große Fotoguide für perfektes Nähen



von Christine Haynes


184 Seiten
Verlag: Stiebner
ISBN-13: 978-3830709251
Preis 29,90 €
Nachdem ich das Buch  
Der große Fotoguide für die perfekte Passform von Sarah Veblen aus dem Stiebner- Verlag kennen gelernt hatte, habe ich mir auch dieses Buch zugelegt. Mich sprechen bei solchen Anleitungsbüchern immer aussagekräftige Fotos viel mehr an als erklärender Text. So ist es auch bei diesem gut gemachten Buch. Sehr gut finde ich die Ringbindung, dadurch ist ein offenes Liegen des Buches neben dem Nähplatz gut möglich. Das sollte bei allen solchen Anleitungsbüchern der Fall sein. Am Beispiel von zwei unterschiedlichen Kleiderformen, einer Bluse und einer Hose werden alle wichtigen Nähvorgänge bei der Anfertigung gezeigt- aber eben in Bildern mit zusätzlichem, erklärendem Text. Die Fotos sind deutlich, durch das Nähen mit Kontrastfaden ist jede Naht deutlich sichtbar.
Und wieder habe ich Dinge erfahren, von denen ich bisher noch nichts wusste:
-        dass man bestimmte Reißverschlüsse vor dem Einnähen bügeln sollte
-        dass es beim Versäubern eine Hongkong- Methode gibt
-        dass eine französische Naht doch nicht das gleiche ist wie eine Kappnaht
-        dass man auch Gummifaden auf die Spule statt Unterfaden wickeln kann
-        oder dass für die Formgebung beim Bügeln eines Kragens ein Bügelkissen besser ist als ein normales Bügelbrett…

Zum Abschluss eines jeden Kapitels gibt es eine Doppelseite mit der Überschrift. „Die Anatomie eines Kleidungsstücks“. Hier gibt es einen bildlichen Überblick, worum es in diesem Kapitel ging - ganz schnell zum Nachschlagen.
Und ganz plötzlich ist das Buch zu Ende- schade, ich hätte noch lange weiter gelesen.

Ich schätze, dass jede Nähbegeisterte mit diesem Buch einen guten Wegbegleiter in der Hand hat, um die eine oder andere Hürde beim Nähen zu umgehen, um dann zu einem guten Ergebnis zu kommen.
Der Preis des Buches ist nicht gerade niedrig, aber der Inhalt hält, was der Titel verspricht. Empfehlenswert!
Ich danke dem Stiebnerverlag recht herzlich für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 17. Juni 2017

Als die Liebe endlich war



Roman von Andrea Maria Schenkel  

400 Seiten
Diana Verlag
ISBN-13: 978-3453359536
Preis: 9,99 €

Erhältlich im Buchhandel und bei Amazon
Der Titel des brandneuen Buchs von Andrea Maria Schenkel erschien mir erst etwas zu schnulzig, ein Liebesroman eben, mit Herzschmerz, eigentlich nichts für mich. Aber weil ich die für mich angenehme Schreibweise der Autorin mag und alle ihrer Bücher kenne, las ich den Klappentext und wurde doch neugierig. Und – ich wurde keineswegs enttäuscht.
Das Buch erzählt eine Geschichte von Judenverfolgung, von Familie, von Liebe, von Trennung, von Freundschaft und von der Flucht in ein vermeintliches Paradies.
Es ist die Geschichte von Carl und Emmi, die sich nach den Wirren des 2. Weltkrieges in Amerika ganz zufällig begegnen. Ihre einzige Gemeinsamkeit besteht in der Sprache. Beide wollen ihre Vergangenheit, ihre Erlebnisse, einfach alles hinter sich lassen und einen Neuanfang machen - nun gemeinsam. Das Vergangene ist kein Thema. Die Zukunft ist wichtig.
Aber es ist auch die Geschichte von Grete, von Erwin, von Ida, es ist die Geschichte von Marga und nicht zuletzt die von Erna.
In Episoden werden diese erzählt. Vieles hat mich sehr berührt.
Zum Ende des Buches wird sich der Leser wundern, welche Richtung die Geschichte nimmt. Und wie es ausgehen wird mit den beiden Menschen, die ein schweres, aber glückliches gemeinsames Leben zusammen gemeistert haben und auch jetzt noch tiefe Liebe für einander empfinden. Bis eines Tages das Telefon klingelt...

Es ist ein Roman, der sehr emotional geschrieben ist, mit viel Tiefe und viel Wahrheit. Diese Geschichte berührt nicht nur, sie setzt sich fest, gibt so noch lange Stoff zum Nachdenken.

Eine Aussage aus dem Buch möchte ich zitieren:
„In einer Welt, in der die eine Hälfte uns verfolgt, und die andere uns nicht haben will ist ein Ort, der uns nur als Fremde sieht, wohl wirklich das Paradies.“

5 Sterne – sehr lesenswert!

Mittwoch, 14. Juni 2017

Der Lauf des Lebens



Geschichten vom Menschsein

von Mona Jaeger
192 Seiten
Luchterhand Literaturverlag  
ISBN-13: 978-3630875019
Preis: 13,99 €

Geschichten aus dem Leben, von mir, von dir, von uns allen…

Eigentlich hat mich weniger der Titel, sondern das Cover neugierig gemacht. Deshalb ein Lob zuallererst an den oder die Umschlagsgestalter!

Das Buch erzählt Geschichten von Anna und von Paul, die  weder zum Lachen noch zum Weinen sind, aber tief unter die Haut gehen. Es erzählt vom Menschwerden und Menschsein. Es erzählt von alltäglichen Dingen, die jedoch etwas Besonderes sind. Es erzählt vom Leben und vom Sterben und von Vielem dazwischen. Nicht sehr emotional, aber es berührt und ist doch leicht zu lesen.
Viel mehr kann und will ich zu diesem Buch nicht sagen, ich sage nur -  man muss es lesen. Punkt.
So ganz nebenbei hege ich die Hoffnung, dass es noch weitere Bücher der Autorin geben wird.

Vielen Dank an das Bloggerportal und dem Literaturverlag für dieses Rezensionsexemplar.

Freitag, 9. Juni 2017

Der gläserne Himmel



Roman

von Petra Hammesfahr

448 Seiten
Diana Verlag
ISBN: 978-3453359208
Preis: 9,99 €

Christian ist Mitte dreißig und Lehrer, als er in das Dorf zurückkehrt, in dem er als Kind eine unbeschwerte Zeit verbrachte. Hier begegnet er Sina. Gebannt von ihrer Anziehungskraft macht er ihr bald einen Heiratsantrag. Doch wer ist diese rätselhafte junge Frau, die oft nicht sie selbst zu sein scheint? Und was bedeuten die Träume, in denen Sina blutüberströmt in einem Graben liegt? Christian stellt Nachforschungen an und erkennt, dass in diesem idyllischen Ort vor vielen Jahren ein schreckliches Verbrechen geschah ...

Das Buch war für mich eine Mischung aus Roman, Krimi, Thriller…
Über weite Teile gibt es einen Gleichklang im Text, ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Dann plötzlich wird es wieder spannend, erwartungsvoll. Dann hat man das Gefühl, jetzt gleich geschieht etwas Spektakuläres- doch dann wieder Gleichklang.
Eine teils sehr mystische Erzählweise, bei der Träume und Wirklichkeit ineinander verwoben scheinen. Oft so verwoben, dass Traum und Wirklichkeit von mir manchmal nicht leicht zu unterscheiden waren. Das Ende dann- anders als vermutet, lässt jedoch noch viele Fragen offen.
Ein echter Hammesfahr - Roman eben

Vielen Dank an das Bloggerportal und dem Verlag für dieses Rezensionsexemplar.